Matth 25, 31-46 Jesu Frage im Endgericht

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Norbert Giebel, 24.03.2019

Matth 25, 31-46 Jesu Frage an alle im Endgericht

31 Wenn der Menschensohn in Herrlichkeit wiederkommt, und alle Engel mit ihm, wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen. 32 Alle Völker werden vor ihm zusammengerufen, und er wird sie trennen, so wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt. 33 Die Schafe wird er zu seiner Rechten hinstellen, die Ziegen zu seiner Linken.
34 Dann wird der König zu denen auf seiner rechten Seite sagen: `Kommt, ihr seid von meinem Vater gesegnet, ihr sollt das Reich Gottes erben, das seit der Erschaffung der Welt auf euch wartet.35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich in euer Haus eingeladen.36 Ich war nackt, und ihr habt mich gekleidet. Ich war krank, und ihr habt mich gepflegt. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht. ́ 37 Dann werden diese Gerechten fragen: `Herr, wann haben wir dich jemals hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Wann sahen wir dich durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann warst du ein Fremder und wir haben dir Gastfreundschaft erwiesen? Oder wann warst du nackt und wir haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich je krank oder im Gefängnis gesehen und haben dich besucht?40 Und der König wird ihnen entgegnen: `Ich versichere euch: Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan! ́
41 Und dann wird sich der König denen auf seiner linken Seite zuwenden und sagen: `Fort mit euch, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das für den Teufel und seine bösen Geister bestimmt ist! 42 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr gabt mir nichts zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich nicht in euer Haus eingeladen. 43 Ich war nackt, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich war krank, und ihr habt mich nicht gepflegt. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. ́44 Dann werden sie fragen: `Herr, wann haben wir dich jemals hungrig oder durstig oder als Fremden, nackt, krank oder im Gefängnis gesehen und dir nicht geholfen? ́45 Und er wird ihnen erwidern: `Ich versichere euch: Was ihr bei einem der Geringsten meiner Brüder und Schwestern unterlassen habt, das habt ihr an mir unterlassen! ́46 Und sie werden der ewigen Verdammnis übergeben werden, den Gerechten aber wird das ewige Leben geschenkt.« (Neues Leben)


Ihr von Jesus Geliebten,

was habt ihr mit mir gemacht?“ wird Jesus uns fragen, wenn wir im letzten Gericht vor ihm stehen. „Was habt ihr mir Gutes getan?“ Allein, was wir Jesus getan haben, wird dann zählen. Nicht unsere Gesinnung, nicht, was wir alles Gutes vorhatten, sondern wie wir gelebt haben, was getan haben. – Das muss uns doch erschrecken, oder? Passt das denn zu Gottes Gnade? Werden die, die an Jesus glauben, nicht einfach durchgewunken? Ist die Rede vom Gericht Gottes überhaupt noch zeitgemäß? Passt das in unser Gottesbild?

Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht!“ lesen wir im Brief an die Hebräer. (Hebr 9,27) „An jenem Tag wird Gott das Verborgene im Menschen richten!“ schreit Paulus den Römern. (Röm 2,16) „Was richtest du deinen Bruder?“ fragt Paulus dort. „Wir werden alle vor dem Richterstuhl Christis stehen!“ (Röm 14,10) Das ist eindeutig den Christen gesagt.

Auch die Propheten im Alten Testament schreiben vom „letzten Gericht“, das kommen wird. (Zeph 3,8) „Er wird kommen, er kommt um den ganzen Erdkreis zu richten. Er wird der Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Wahrheit!“ lesen wir in den Psalmen (96,13)

Johannes der Täufer ruft das Volk zur Umkehr auf: „Kehrt um! Tut Buße! Denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!“ predigt er (Matth 3,2). „Die Axt ist den Bäumen schon an die Wurzel gelegt! Jeder Baum, der keine Furcht bringt, wird abgehauen!“ (V10)

Johannes hat damit gerechnet, dass der Messias richten wird, wenn er kommt. Er wird die Schafe von den Böcken trennen, um mit dem Bild aus dem Gleichnis Jesu zu sprechen. Jesus aber sagt: “Ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern, dass ich sie rette!“ (Joh 12,31)

Gar keine Frage: Jesus hat das Gericht nicht gebracht bei seinem ersten Kommen. Jesus hat die Rettung vor dem Gericht geschaffen für alle, die ihm glauben, die ihm Recht geben, die ihn als ihren Herrn und ihren Retter annehmen. Er hat das Endgericht an seinem Kreuz vorweggenommen. Aber das ist der Hintergrund: Niemand kann zu Gott kommen, der nicht in Gerechtigkeit, Liebe und Frieden mit Menschen lebt.

Das Gericht und Gottes Gnade, das ist kein Widerspruch. Umgekehrt. Weil jeder Mensch sterben wird und danach vor Gott im Gericht steht, weil niemand vor dem Gericht bestehen könnte, weil Gott aber alle liebt, in seiner Liebe jeden in alle Ewigkeit bei sich haben will, weil er gnädig ist, darum hat er seinen Sohn gesandt, „damit alle die an ihn glauben, nicht verloren gehen sondern das ewige Leben haben!“ (Joh. 3,16)

Das ist das Evangelium. Das hat Jesus für uns geschaffen: Rettung in Gericht. Erlösung von unseren Sünden und Verfehlungen. „Amen, amen, das sage ich euch:“ hat Jesus gesagt, „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist schon vom Tode zum Leben hindurchgegangen.“ (Joh. 5,24)

Kommen Menschen, die an Jesus glauben, also gar nicht mehr ins Gericht? Doch! Aber sie werden nicht verdammt, die werden nicht verurteilt. Die Frage, ob sie gerettet sind, ist für sie beantwortet. Die Frage, wie sie gelebt haben, was sie mit Jesus gemacht haben, aber nicht. Das wird beurteilt werden!

Paulus schreibt den Korinthern, die sich gerettet wissen, die sich aber auch für heilig halten, für etwas Besonderes, die hohe geistliche Erfahrungen machen: „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse!“ (2. Kor 5,10)

„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, den Gott gelegt hat! Und das ist Jesus Christus!“ (1. Kor 3,11) schreibt Paulus. Man hat den Eindruck, Paulus würde hier Christen in Korinth zitieren, dir ja mit Recht sagen „Christus genügt!“ Stimmt ja auch: Einen anderen Grund kann niemand legen. Aber dann fährt Paulus fort: „Wenn aber jemand auf dem Grund Gold oder Silber oder Edelsteine baut, oder Holz, Heu und Stroh: Jedes Werk, jede Tat von jedem Einzelnen, wird offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es deutlich zeigen. Das Feuer wird es zeigen, von welcher Art die Taten eines jeden sind. Wird aber eine Tat von jemandem im Feuer bestehen, dann wird Gott ihn loben. – Wird aber seine Tat vergehen, dann wird er Schaden nehmen. Er wird gerettet, aber wie durchs Feuer hindurch!“ (1. Kor 3, 12-15)

Das Gericht Jesu, wenn er wiederkommt, wird ein gerechtes Gericht sein. Und es wäre absolut ungerecht, wenn er die Christen einfach so durchwinken würde. Auch Christen haben Böses getan:

Sie haben andere verurteilt. Sie waren nicht ehrlich. Sie haben anderen vorenthalten, was Gott ihnen für andere anvertraut hat. Christen haben andere Christen unterdrückt. Christen haben ihre Macht missbraucht. Sie haben ihre Ehre, ihr Glück an die erste Stelle gesetzt. Christen haben unfair gegen andere prozessiert. Sie haben das Recht gebrochen und waren fern jeder Gnade mit einem anderen. Sie haben Menschen hungern und dürsten lassen, sie haben Nackte frieren und Gefangene einsam gelassen, sie haben Flüchtlinge abgewiesen, sie haben ihre Häuser für niemanden geöffnet, sie sind an der offensichtlichen Not von Menschen vorbeigegangen.

Da gab es oft Menschen, die keine Christen waren, die sich die Christen zum Vorbild hätten nehmen können. Soll das alles so durchgewunken werden? Das wäre nicht gerecht. Nein. Was Christen getan haben und was sie nicht getan haben wird sichtbar werden. Und Jesus wird sagen: „Das war so gut. Was habe ich mich über dich gefreut!“ Und Jesus wird sagen: „Das war nicht in Ordnung. Das war lieblos, verantwortungslos. Das war böse!“ – Und das wird uns wehtun. – Allein schon, dass Jesus es uns in Gesicht sagen wird, wird wehtun.

Der Richter wird Jesus sein. (vgl. Apg 17.31) Der Vater hat ihm das Gericht übergeben (Joh 5, 22.24.27.29f). Es wird kein anderer auf dem Richterstuhl sitzen als der, den wir kennen. Das Gericht sollen wir ihm auch überlassen. „Richtet nicht, dass ihr nicht gerichtet werdet!“ hat Jesus gesagt (Matth 7,1) Wir sind weder kompetent noch beauftragt, Urteile über andere Menschen auszusprechen.

„Richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist,“ scheibt Paulus „und er wird das Trachten des Herzens offenbar machen, dann wird einem jedem von uns sein Lob zuteilwerden!“ (1. Kor 4,5)

Die Strafe oder der Schaden wird sein, glaube ich, dass wir uns schämen, dass es wehtun wird, so viel Dunkles in uns selbst im Licht erkennen zu müssen. Der Lohn wird sein, glaube ich, dass Jesus sagen wird „Das hast du gut macht!“ Das kommt mit in die Ewigkeit! Das bleibt bestehen.

Im Gleichnis Jesu sind alle erstaunt, was Jesus für einen Maßstab anlegt. Seine Frage wird sein: Was hast du mit mir gemacht? Was hast du mir Gutes getan? Wo war meine Barmherzigkeit in deinem Leben zu sehen?

Das Gleichnis von den Schafen und Böcken ist die letzte Rede Jesu zu seinen Jüngern. Wenig später wird er von Judas verraten. Das Bild von Böcken oder Ziegen und Schafen wird den Menschen damals vertraut gewesen sein. Die Ziegen sind kälteempfindlicher. Sie müssen in der Nacht in den Stall. Die Schafe bleiben draußen im Pferch. Das ist wohl gemeint. Eine andere Auslegung wäre, dass die Schafe Milch geben, Muttertiere sind, und darum bleiben. Die Böcke werden zur Schlachtung aussortiert.

Auf jeden Fall werden die Tiere in zwei Gruppen getrennt. Die einen Menschen haben Barmherzigkeit gezeigt. Die anderen nicht. Die nächste Frage ist: Wo komme ich da zum Stehen? Wo stehen wir denn dann? Irgendwo dazwischen vielleicht? Hat nicht jeder beides im Leben? Wird es irgendjemand geben, der nur rechts steht, der nur Gutes getan hat? Oder jemanden der nur links steht?

Bei einem Gleichnis muss man immer fragen: Wo ist die Pointe? Was ist die Spitze? Was will Jesus damit sagen? Und das liegt ja wohl auf der Hand: Jesus will zeigen, was er will, was er von deinen Jüngern erwartet. Jesus sagt ihnen, wo er auf sie wartet, wo er zu finden ist.

Jedes Bemühen, aus eigener Kraft rechts zu stehen, nur auf der guten Seite zu stehen, wird scheitern. Ich stehe nicht nur auf der rechten Seite. Aber ich will mich damit nicht zufrieden geben. Ich möchte lernen. Ich möchte Jesus in Menschen sehen lernen, die in Not sind. Das ist doch wohl die Spitze, die Jesus seinen Jüngern in seiner letzten Rede setzen will.

Die sechs Werke der Barmherzigkeit sind eine beispielhafte Aufzählung. Sie wäre mühelos zu verlängern. Wobei aber diese sieben Werke nicht einfach zu ersetzen sind: Hungrige speisen, Durstigen gutes Wasser zu geben, Fremde aufzunehmen, Nackte kleiden, Gefangene oder Kranke zu besuchen.

Jesus hat so gelebt. Christus lebt noch heute so. Er ist so sehr mit denen verbunden, die leiden, die schwach sind, die vielleicht durch eigene Schuld ihr Leben versaut haben, dass er mit hungert, mit friert, mit weint und dass er mit ihnen auf uns wartet.

Im Moment laufen ja die ökumenischen Bibelgespräche. Ich freue mich jeden Abend darauf. Nächsten Dienstag findet das letzte Bibelgespräch in der neuen Brüderkirche statt. Am Donnerstag fragte der katholische Pfarrer Peter Bulowski, was wir unseren Gemeinden wünschen würden. Ich sagte so ungefähr, dass wir ganz nahe um Jesus herum ständen und dadurch eng miteinander verbunden wären. Dass man sich kennt und Gemeinschaft mit Jesus und untereinander hat.

Hartmut Feußner, Pfarrer in Wolfsanger, sagte: „Eins würde ich ergänzen. Dass wir in die Welt hinein wirken. Dass wir Nächstenliebe leben.“ Herr Klein, Kirchengemeinderatsvorsitzender, wir würden vielleicht sagen „Gemeindeleiter“ der katholischen Kirche hier am Wesertor, sagte: „Ich würde es mit der Sonne vergleichen. Ganz warm, ganz hell in sich selbst, aber mit Ausstrahlung in die Welt. Ich hatte die Nächstenliebe vergessen in meiner kleinen Vision. Wie kann das nur passieren, wenn man Jesus doch kennt und weiß, was er will!?

„Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben. Danach aber das Gericht!“ (Hebr. 9,27) Ich habe keine Angst vor dem Gericht. Aber ich habe Respekt. Respekt vor dem Heiligen. Es ist der heilige Gott, der mich liebt. Nicht einfach nur ein Freund, ein Kumpel. Ich bin gerettet aus Gnade. Das habe ich nicht verdient. Aber ich kann mich darauf verlassen.

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, sie trägt eine Augenbinde. Jesus nicht. Er sieht uns an. Alles wird offensichtlich werden. Aber er sieht uns in Liebe an. Und noch etwas ist anders an Jesus als an allen anderen Richtern: Er sucht nicht nur Unrecht, das Menschen getan haben.
Er sucht das Gute. Er sehnt sich danach. Er benennt es. Dann nimmt er die Menschen zu seiner Rechten und sagt:

Weißt du noch, wie du dich um deinen Nachbarn so gekümmert hast, als seine Frau verstarb? Ich war dabei. Ich habe so gefreut über deine Treue.

Weißt du noch, wie du jede Woche Kindern vorgelesen hast? Ich saß auch immer dabei und habe mit gehört.

Weißt du noch, wie du die alleinerziehende Mutter unterstützt hast? Vier Kinder. Ohne Vater. Du hast für sie gebügelt, hast die Kinder zum Arzt gefahren, du hast dem Jungen Nachhilfe gegeben. Das hast du mir getan. Ich war diese Alleinerziehende.

Weißt du noch, wie du die vielen Briefe geschrieben hast zum Geburtstag an Alte du Kranke. Jedes Mal habe ich mit auf deinen Brief gewartet. Jedes Mal habe ich mich mit gefreut und war zu Tränen gerührt, dass du mich wieder nicht vergessen hast.

Als du den Flüchtlingen Deutschunterricht gegeben hast, habe ich immer schon mit ihnen auf dich gewartet. Das werde ich für alle Zeiten nicht vergessen.

Weiß du noch, die alte Schwester, die du über Jahre fast jede Woche besucht hast? Das hast du mir getan. Ich war einsam. Ich hatte Schmerzen. Mich haben deine Besuche getröstet!

Und als du die syrische Familie zu dir nach Hause eingeladen hast, und als du die Patenschaft für zwei Kinder in Afrika übernommen hast, und als du die Trauergruppe angefangen hast ....
das hast du mir getan. Das werde ich ewig nicht vergessen.

Eine Predigt, die ich las, wurde so beendet. Ich möchte auch damit enden:

„In Jesu Augen gibt es Menschen, die mehr zu beweinen sind als diese Geringsten. Und das sind wir, – wenn wir nicht an deren Seite zu finden sind. Nicht die Geringsten müssen froh sein, wenn wir Mitleid mit ihnen haben. Wir sind zu bemitleiden, wenn wir uns nicht als Geschwister dieser Geschwister Jesu benehmen. (Eberhard Busch)     

Amen

 

Mit Gewinn habe ich im Internet die Predigten von 2015 zum selben Text von Eberhard Busch und Jörg Hapke gelesen.

 
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