Liedpredigt Gelobt sei Gott im höchsten Thron (Ostern)

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, Ostersonntag, 21.04.2019

Liedpredigt:   Gelobt sei Gott im höchsten Thron

Liebe Ostergemeinde,

nach einer alten Tradition soll der Prediger am Ostermorgen die Gemeinde zum Lachen bringen. Das ist das so genannte Osterlachen. Wer Ostern lacht, der lacht über den Sieg des Herrn über Teufel, Tod und Sünde. Ich würde mir dumm vorkommen, euch zum Lachen zu bringen. Aber das Lied, das wir gleich singen hilft uns dabei. Jede Strophe endet mit einem dreifachen Halleluja. Das dreifache Halleluja am Ende jeder Strophe ist ein komponiertes befreiendes Lachen über den Sieg Gottes über Teufel, Tod und Sünde.

In einer altern Einführung zu diesem Lied las ich Folgendes: „Singen Sie jedes Halleluja mit einem breiten Lächeln, formen Sie aber trotzdem mit den Lippen schöne Vokale! Ziehen Sie außerdem beim Singen die Augenbrauen in die Höhe – das verleiht Ihrem Gesicht und Gesang einen festlichen Osterglanz!“ Das müssen wir nicht so machen. Aber ganz bewusst, befreit, mit einem inneren Lachen wollen wir jeweils das dreifache Halleluja singen. Wir singen die ersten beiden Strophen aus dem Lied „Gelebt sei Gott im höchsten Thron“:

1) Gelobt sei Gott im höchsten Thron / samt Seinem eingebor‘nen Sohn,
der für uns hat genug getan. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

2) Des Morgens früh am dritten Tag, /da noch der Stein am Grabe lag,
erstand er frei ohn alle Klag. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Gelobt sei Gott im höchsten Thron. Alle Herrschaft gehört ihm. Alles ist ihm untertan. Gott sitzt auf seinem Thron. Aber er sitzt da nicht „herum“. Er sitzt nie ohne Leidenschaft. Gott ist immer bewegt. Voller Tatendrang. Er hört nie auf, der Schöpfer zu sein. Alles Gute kommt von ihm. Gott hat kein Gefallen an einer Macht, die nichts tut. Er nutzt seine Macht zum Guten. Zum Allerbesten. Gelobt sei Gott in seinem Thron. Die Liebe sitzt nicht „herum“. In der Liebe ist immer Bewegung. Es sind wir Menschen, die Gottes Liebe bewegen. Er sehnt sich nach uns. Darum ist er zu uns gekommen in seinem eingebor’nen Sohn. In ihm hat er alles getan, genug getan, dass wir vor Gottes Thron treten können.

Michael Weiße, der dieses Lied geschrieben hat, lobt Gott zu Ostern. Aber was wäre Ostern ohne die Geburt Jesu und ohne Karfreitag. Äußerst knapp erinnert Weiße in der ersten Strophe, wer es ist, der für uns gestorben und auferstanden ist: Der eingebor’ne Sohn. Der Sohn ohne einen leiblichen menschlichen Vater. Es ist Gott selbst, der in ihm für uns genug getan hat, dass wir gerettet sind. Ohne Scheu, ohne Zittern, ohne Zweifel dürfen wir an seinen Thron treten und ihn loben.

Mit der zweiten Strophe beginnt Michael Weiße die Geschehnisse von Ostern zu erzählen. Am dritten Tag ist Jesus auferstanden. Der große Stein hatte die Grabhöhle verschlossen. Jesus war allein in seinem Grab. Niemand war bei ihm. Niemand hat ihm geholfen. Niemand kann und niemand hat je erzählen können, wie es war, als wieder Leben in seinen Körper kam. – Menschen haben keinen Anteil daran und niemand war dabei. Ganz frei ist er auferstanden. Es ist Gott allein, der hier handelt.

Michael Weiße hat eine sehr bewegte Biographie. Er hat in einer Zeit großer kirchlicher Umbrüche gelebt und hat sie von allen Seiten kennengelernt.

  • Michael Weiße wurde 1488 in Schlesien geboren.
  • Nach seinem Studium in Krakau wurde er Franziskanermönch in Breslau.
    Von seinem Glauben und seiner Theologie aber war er immer noch ein Suchender.
  • Er und ein Mitbruder waren sehr angetan von der Lehren Martin Luthers.
  • Michael Weiße flieht aus dem Kloster und bekommt Kontakt mit den Böhmischen Brüdern. Diese kleine Schar von Christen geht zurück auf den Vorreformatoren Johannes Hus in Prag. Später prägen die böhmischen Brüder die vielen bekannte Brüdergemeine in Herrnhut, die heute noch die Losungen jedes Jahr herausbringen.
  • Der Franziskaner Michael Weiße wird Mitglied der Brüdergemeinde.
  • Schnell gewinnt er das Vertrauen der Geschwister.
  • Mehrfach reist er mit dem Bischof der böhmischen Brüder zu Martin Luther nach Weitenberg. Sie wollen die Lehren der Brüder mit Luthers vergleichen und diskutieren.
  • Später wendet sich Michael Weiße in vielen Überzeugungen Huldrych Zwingli zu, dem Reformator in Zürich. Zwingli hat ein anderes Abendmahlsverständnis als Luther. Zwingli lehrt, dass Brot und Wein sich nicht verwandeln, sondern Zeichen sind.
  • Einer der Mitbrüder Weißes befragt auch die Säuglingstaufe kritisch. Er landet bei den reformatorischen Täufern.
  • Michael Weiße hat die Katholische Kirche, Reformatoren und Erneuerungsbewegungen in beiden Kirchen kennengelernt.
  • Große Bedeutung über seine Zeit hinaus erlangte er 1531 mit der Herausgabe des damals umfangreichsten Kirchengesangbuches mit dem Titel „Ein New Gesengbuchlein“.
  • 157 Lieder. 137 davon Eigendichtungen, Übersetzungen aus dem Tschechischen oder Umarbeitungen von Michael Weiße.
  • Unter anderem auch das Lied „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“. Heute findet sich dieses Lied in katholischen, evangelischen und Freikirchlichen Liederbüchern. Wir singen die Strophen 3-6.

3) Voll Trauer kommen die drei Fraun / schon bei dem ersten Morgengraun /
um nach dem Leib des Herrn zu schaun / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

4) Am Grab, in leuchtendem Gewand/ vor ihnen Gottes Engel stand, /
der grüßt sie mit erhob'ner Hand, Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5) Der Engel sprach: "Nun fürcht' euch nicht; / denn ich weiß wohl, was euch gebricht. /
Ihr sucht Jesus, den find't ihr nicht." Halleluja, Halleluja, Halleluja.

6) "Er ist erstanden von dem Tod, /hat überwunden alle Not;
kommt, seht, wo Er gelegen hat." /Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Die drei Frauen sind auf dem Weg zum Tod könnte man sagen. Sie sind auf dem Weg zu einem Jesus, von dem sie nichts mehr erwarten. Jesus ist für sie Geschichte. Eine Person der Vergangenheit, wenn auch der jüngsten Vergangenheit. Trauer bestimmt ihre Schritte hin zum Grab. Es wird alles so bleiben wie es ist in ihrem Leben. Aber es fühlt sich schlimmer an, weil sie doch so große Hoffnung hatten. Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wollen dem Toten die letzte Ehre geben. Sie wollen Duftöle zwischen seine Leichentücher bringen.

Hätte Jesus nicht gesagt, er würde von Gott kommen, er würde im Auftrag Gottes agieren, er könne Sünden vergeben, sie hätten auch geweint. Aber mit seinem Tod ist mehr kaputt gegangen. Wenn Jesus nicht die Wahrheit gesagt hat, dann stimmt ihr ganzes Leben nicht mehr. Dann hätten sie alles aufgegeben für nichts!

Ostern war keine Idee der Jünger Jesu. Sie haben sich versteckt. Sie hatten Angst. Auch die drei Frauen erschrecken, als sie sehen, dass der Stein vor dem Grab weggerollt und das Grab leer ist. Der Auferstandene kam für niemand wie gerufen. Tote salben gehört zum Alltag des Todes. Auch der Tod hat seine Rituale.

Michael Weiße lässt in seinem Lied den Engel die Frauen mit erhobener Hand begrüßen. Er gebietet ihrer Trauer Einhalt. Sie sollen den Kopf heben. Nach oben sehen. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Auferstandene will in ihr Leben kommen. „Fürchtet euch nicht!“ sagt der junge Mann in weißem Gewand, so wird der Engel in den Evangelien beschrieben. „Ihr sucht Jesus. Hier aber werdet ihr ihn nicht mehr finden!“ – Drei Mal Halleluja. Drei Mal Osterlachen. Drei Mal freuen wir uns: Das Grab ist leer! Die Frauen finden Jesus dort nicht. Auch die Juden und die Römer finden Jesus später dort nicht, als seine Jünger anfangen zu behaupten, Jesus sei auferstanden.

Er ist erstanden vom Tod / hat überwunden alle Not / kommt und seht, wo er gelegen hat.“ Die Frauen sollen selber nachsehen. Sie sollen prüfen was der Engel sagt. Das Grab ist leer. Jesu Auferstehung war kein geistliche Auferstehung. Kein symbolisch zu verstehender Sieg. Sein Leib, das was ihn hier ausgemacht hat, war nicht mehr da. Das kann man prüfen. Da kann man selber nachsehen.

Die Frauen können es nicht fassen. Sie laufen zu den Jüngern. Immer noch zitternd. Erschrocken. Sie können nicht einordnen, was sie gesehen haben. Die volle Gewissheit der Auferstehung kommt erst, als Jesus mit einem neuen verwandelten Leib den Jüngern und anderen begegnet. (Vgl. 1. Kor 15, 5-8) – Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Er hat überwunden alle Not“ lässt Michael Weiße uns in der 6. Strophe singen. Was heißt das? Christen leben nicht auf Wolke Sieben, auch Christen können hungern, verfolgt werden, Schmerzen leiden, auch Christen können arm sein und krank werden, auch Christen werden sterben und nicht alle werden dann alt und lebenssatt sein. Nicht alles Leid dieser Welt hört Ostern auf. Aber der Himmel ist offen. Der Auferstandene lebt unser Leben mit uns, ER grüßt uns mit erhobener Hand, dass wir nach oben sehen, dass wir den Kopf nicht sinken lassen, dass wir heute mit ihm und seiner Kraft rechnen.

Drei Feinde liegen Jesus zu Füßen. Drei Halleluja wollen wir ihm singen. Drei Osterlachen:
Die Sünde ist besiegt mit ihren Folgen vor Gott. Sie hat ihre Macht verloren. Der Tod ist besiegt. Jesus der Erste einer ganzen Pyramide. Jesus ist das Haupt seines Leibes, der Kopf ist schon im ewigen Leben und er wird seinen Leib hinter sich her ziehen.

Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, wenn wir nicht auferstehen würden, dann hätte unser ganzer Glaube keinen Sinn, schreibt Paulus später (1. Kor 15). Dann wäre alles vergeblich. Wenn Jesus im Grab geblieben wäre, wären wir alle wirklich nur zum Tod unterwegs.

Der Teufel besiegt. Er treibt noch seine Spiele, er hat noch Macht. Er versucht noch Menschen von Gott wegzuziehen. Aber er ist geschlagen. Der Sieg ist schon da. Er hat keine Chance mehr. – Bist du angefochten? Gibt es Tage, in denen du denkst, Tod und Teufel wollen dein Leben verderben? Dann, so der Rat von Jakobus, dem Herrenbruder: „Fliehe zu Jesus! Nahe dich Gott. Dann flieht der Teufel vor dir!“ (vgl. Jak. 4,8) Der Teufel weiß, wer ihn besiegt hat. Fliehe zu Jesus, da kann er nie mitkommen.

Die drei Frauen hatten nicht nur einen großen Stein vor dem Grab. Sie hatten einen großen Stein vor ihrer Seele. Der Tod Jesu lag wie ein schwerer Schatten über allem, was sie taten. Ihre Schritte waren vom Tod geprägt. Ihr Himmel war dunkel geworden.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden!“ heißt es in den Psalmen (90,12). Gemeint ist, dass wir dieses Leben nicht für alles halten, dass wir wissen, dass wir einmal vor Gott stehen werden, dass wir jetzt schon anfangen zu leben, was wir dann bei Gott ganz erleben werden. Heute, Ostern, könnte man auch sagen: Lehre uns bedenken, dass wir leben (!) werden. Dass unsere Wege nicht vom Tod sondern von Leben gezeichnet sind. Dass wir das ewige Leben schon jetzt haben. Lehre uns jetzt schon leben wie im Himmel.

Wir singen die Strophen 7+8

7) Nun bitten wir Dich, Jesu Christ,
weil Du vom Tod erstanden bist,
verleihe, was uns selig ist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

8) O mache unser Herz bereit,
damit von Sünden wir befreit
Dir mögen singen allezeit:
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Jetzt wird der Auferstandene selbst angesprochen. Michael Weiße ist nicht mehr beim Erzählen. In Strophe 7 und 8 ist er in der Gegenwart angekommen. Und er bitte Jesus: uns mit ihm beten: „Verleihe, was uns selig ist“. „Gib uns das, was ewig ist!“ möchte ich es übertragen. Gib uns dich selbst in unser Leben. Gib uns von der Freude, von dem Frieden, dem Licht, das nie aufhört, weil es von dir kommt.

Was du uns gibst, macht uns wirklich „selig“. Seligkeit ist Fröhlichkeit, ein ganz freies Gefühl, aber eine Freude, die nicht einfach in dem aufgeht, was man gerade erlebt. Seligkeit ist eine Freude, die vom Himmel kommt. Eine Freude, die alles Dunkel über uns verschwinden lässt. Eine Freude, die in den Himmel sieht. „Gib uns Herr, was selig macht!

Mach unser Herz für dich bereit, bereit für das, was kommen wird. Was kommen wird, soll unser Leben jetzt schon prägen. Befreie uns von unseren Sünden. Dann wollen wir ohne Aufhören singen. Dann soll unser Osterlachen nie aufhören: Halleluja! Hoch drei.

Amen. Amen. Amen.

Nicht eingegangen bin ich darauf, dass die zweite Stophe 1983 von Sigisbert Kraft ergänzt wurde. Ebenso habe ich die Melodie von Melchior Vulpius nicht berücksichtgt.

 
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