1 Joh 4, 16 Traupredigt

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Traugottesdienst, Norbert Giebel 1.6.2019

Traupredigt    Laura Burg und Steffen Wuhlhelm
            1. Johannes 4,16:
            „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt,
            der bleibt in Gott und Gott in ihm!“

Zum Einstieg wird ein Würfelspiel gezeigt.
Die Namen wurden geändert!

Liebe Laura und Steffen,

danke für ein paar schöne Abende mit euch. Wir haben uns zu Ehegesprächen getroffen und dabei dieses Spiel gespielt. Man würfelt abwechselnd und hinter jeder Zahl verbirgt sich eine Frage oder ein Thema. Wir haben gesprochen über frühere Beziehungen, über Geld, Freunde, Schwächen und Grenzen, Eigenarten des Partners, eure Herkunftsfamilien, Sex, Streit und Spiritualität, um nur einige Themen zu nennen. Manuela und ich haben genauso von uns erzählt wie ihr von euch und wir haben mit euch von diesen Gesprächen profitiert.

Besonders aufgefallen ist mir an euch bei unseren Treffen:

  • Ihr geht achtsam miteinander um. Wenn einer erzählt, hört der andere zu. Jeder kann ausreden. Obwohl ihr nicht in allem gleich einer Meinung wart. Zuerst einmal hört ihr hin.

  • Ihr habt sehr ehrlich und offen geantwortet und miteinander geredet. Obwohl Fragen dabei waren, über die ihr so noch nicht nachgedacht habt.

  • Einiges an Reichtum wurde deutlich, den ihr in eure Ehe mitbringt: Ihr beide habt Herkunftsfamilien, in denen ihr viel Gutes mitbekommen habt, für die ihr dankbar seid. Ihr habt Eltern und auch Großeltern, die euch lieben und die ihr liebt. Ihr habt Freunde! Jede und jeder von euch für sich. Sehr gute Freunde, die euch weinen und lachen gesehen haben, mit denen ihr schon viel erlebt habt. Freunde, mit denen ihr reden, beten oder auch Squash spielen könnt.

  • Ihr seid beide Menschen mit Profil, stark, jeder weiß, was sie oder er will, was euch wichtig ist, und ihr sagt das auch! Man könnte auch sagen: Ihr könnt beide Dickköpfe haben. Keiner ist weich und gibt sofort nach. Ihr könnt – Gott sei Dank: Beide! – auch stur sein. Das finde ich spannend für eurer Ehe!

  • Und ihr seid in vielem verschieden! Das ist auch ein Reichtum! Und ich hoffe, dass ihr das euer Leben lang seht und bejaht. Dass keiner versucht, den anderen „nach seinem Bilde zu schaffen“.

  • Ihr beide seid beweglich für den anderen, das war spürbar. Ihr seid bereit euch auf einander einzustellen. Aber sich zu ändern, das muss man jeweils dem Partner überlassen. Jeder muss an sich selbst arbeiten. Wenn du sagen würdest, Laura. „Den biege ich mir zurecht!“ – und ich glaube Männer sind oft leichter zu biegen als Frauen – dann ist er am Ende verbogen. Verbogene Männer oder Frauen gibt es schon genug.

Laura, Steffen und Manuela: Wir sollten dieses Ehe-Spiel auf den Markt bringen. Was wäre das für ein Gewinn, wenn man als Ehepaar jedes Jahr einen oder zwei Abende ganz offen mit einem anderen Paar reden würde über Eltern, Kinder, Sex, Streit, Spiritualität in der Ehe, über Freunde, Freiräume und gemeinsam Zeiten als Paar.

Weil wir über vieles schon gesprochen haben, darum wird vieles zur Ehe in meiner Predigt ungesagt bleiben. Ich möchte zu eurem Trauspruch sprechen. Da habt ihr ein ganz großes Wort ausgesucht:

            „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt,
            der bleibt in Gott und Gott in ihm!“ (1. Johannes 4,16)

Ich fange vorne an: Gott ist die Liebe! Keine andere Religion kann das sagen. Keine andere Religion sagt das, weil sie es nicht wissen. Wer nicht an Jesus glaubt, der kann es auch nicht wissen: Gott ist die Liebe! Seit Jesus wissen wir, was Liebe ist, wozu Gott in seiner Liebe imstande ist. Gott lässt sich seine Liebe alles kosten. Seit Jesus wissen wir, dass Gott alle Menschen liebt, obwohl sie Sünder sind, fehlerhaft, viel mehr als nur unvollkommen. Und dass Gott alles für Menschen tut, damit sie leben können.

Seit Jesus wissen wir, dass Gott uns sucht. Er sucht Menschen auf, da, wo sie leben. Er spricht uns an. Ruft uns. Wirbt um uns. Klopft an und wartet, dass wir uns ihm öffnen, ihn in unser Leben lassen. In Jesus wird Gott zu einem Bräutigam, der mit allem was er hat um seine Braut wirbt. Gott hat uns in Jesus einen Antrag gemacht, er ist vor uns auf die Knie gegangen und er wartet auf unser Jawort. „Ja, ich will!“ Gott wartet auf ein freies Jawort. Bei vollem Verstand gesprochen. Eine Antwort, in der wir ihm vertrauen. Gott hat uns ein Haus im Himmel gebaut und er will hier jeden Tag bei uns sein, sich an uns binden, bis der Tod uns ... ganz zusammenbringt.

Gott ist Liebe. Und man kann den Satz nicht einfach umdrehen: Liebe ist Gott. Nicht alles, was Menschen Liebe nennen, ist Liebe. „Schmetterlinge im Bauch“ sind noch keine Liebe. Irgendwann werden da wieder Raupen draus! Was macht man dann mit den Raupen im Bauch? Wir wünschen uns Nähe, Geborgenheit, Einheit ... Aber der Wunsch nach Liebe ist noch keine Liebe. Wie viel lieben wir, geben wir, sind wir geduldig oder großzügig, weil wir es uns selber wünschen! Weil wir es brauchen, genauso geliebt zu werden. Weil wir etwas erwarten dafür. Wie schnell kann unsere Liebe aufhören, wenn der andere uns das nicht gibt oder uns das nicht ist, was wir erwartet haben! Wie schnell ist unsere Liebe gekränkt.

Wenn wir den Satz umdrehen und sagen, „Liebe ist Gott“, dann machen wir uns ein Bild von der Liebe und sagen: Das ist Gott. Umgekehrt ist es richtig: Wer wirklich wissen will, was Liebe ist, der muss Gott ansehen.

Gott liebt mich und Laura und Steffen und dich: Und er hat sich uns dabei nicht schön geredet! Gott ist nicht blind vor Liebe. Uns kann das ja passieren: Schöne Augen und schöne Beine und wir sind blind vor Liebe. Wir sehen nur die Augen und die Beine und alles andere wird für uns unsichtbar, verdrängt, solange wir verliebt sind. Gott hält sich die Augen nicht zu, wenn er uns liebt. Er durchschaut uns. Jeden von uns. Er sieht unseren Egoismus, unsere Laster, unsere Sünden und Schwächen. Er weiß wie anstrengend wir sind und dass wir ihm nicht immer treu sein werden. Das verletzt ihn. Das macht ihn traurig. Das wühlt ihn auf. Aber auch dass wir Gott wehtun, macht nichts mit seiner Liebe.

Gott freut sich nicht, wenn wir sündigen! Aber er liebt den Sünder. Man kann sich an keinem Menschen immer freuen, aber man kann ihn lieben. Martin Luther hat es vor 500 Jahren, 1518, auf den Punkt gebracht: „Gottes Liebe findet das Liebenswürdige nicht vor, sondern er schafft es!“ Noch einmal Martin Luther: „Sünder sind darum schön, weil sie geliebt werden. Sie sind nicht darum geliebt, weil sie schön sind!“

Gottes Liebe ist immer Erwählung. So nennt es die Bibel. Gottes Liebe ist immer Erwählung. Das heißt: Der Grund seiner Liebe liegt immer in ihm selbst. Er will lieben. Niemand hat die Gottes Liebe bei ihm ausgelöst, weil er besonders fromm oder besonders treu oder gerecht war. Gottes Liebe ist ein „Selbstzünder“. Er brennt von ganz alleine für jeden von uns. Wir müssen uns bei Gott nicht herausputzen, schminken, zum Friseur gehen, ein tolles Kleid anziehen, damit Gott mich liebt. Wir muss nicht ständig überlegen, was wir noch tun können, damit er uns lieb hat. Er liebt uns, er liebt euch, Laura und Steffen, gestern, heute und morgen und jetzt in diesem Moment und gleich und morgen früh. Immer. Weil er es will.

Ich glaube, da berühren wir einen Kern eures Trauverses: Die wahre Liebe ist Erwählung. Wenn Steffen Laura fragt, warum sie ihn liebt, kann sie sagen, weil du so groß bist, und klug, und stark, und schöne Augen hast, und gut kochen kannst, weil ich es liebe wie du lachst... Oder sie sagt einfach: Ich liebe dich Steffen, weil dich erwählt habe. Weil, ich es will!

„Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ In der Liebe bleiben wir, indem wir uns von Gott lieben lassen. In seiner Liebe bleiben. Es geht nicht darum, das wir viele Taten der Liebe zeigen, und dadurch i n Gott bleiben und Gott in uns. Euer Trauspruch ist der zweite Teil eines Verses im 1. Johannesbrief. Der Vers beginnt so, nach einer modernen Übersetzung:

Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und haben darauf unser ganzes Vertrauen gesetzt. Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

In der Liebe bleiben heißt, erkennen, dass Gott uns liebt und darauf unser ganzes Vertrauen setzen! Das kann man für jede christliche Ehe sagen, für alle hier im Raum, die verheiratet sind: In der Liebe bleiben heißt, zu erkennen, dass Gott uns liebt und darauf unser ganzes Vertrauen setzen. Steffen und Laura: Hört nie auf, in eure ganz eigene Gottesbeziehung zu investieren, sie zu leben, jeder von euch. Dann investiert ihr das Beste für eure Ehe.

Auf einmalige Weise und millionenfach zitiert beschreibt Paulus in 1. Korinther 13 was Liebe ist:

4 Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt kein Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. 5 Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. 6 Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. 7 Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. 8 Die Liebe vergeht niemals.                                (1. Kor 13, 4-8a)

Man kann auch den Namen Jesu an die Stelle des Wortes Liebe setzen. Dann heißt es:

4 JESUS ist geduldig, JESUS ist freundlich. JESUS kennt keinen Neid, JESUS spielt sich nicht auf, JESUS ist nicht eingebildet. 5 JESUS verhält sich nicht taktlos, JESUS sucht nicht den eigenen Vorteil, JESUS verliert nicht die Beherrschung, JESUS trägt keinem etwas nach. 6 JESUS freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut er sich mit. 7 Alles erträgt er, in jeder Lage glaubt er, immer hofft er, allem hält er stand. 8 Die Liebe JESU vergeht niemals.    

Ich wage es kaum. Das habe ich noch nie gemacht. Aber stellt euch mal vor, da steht nicht Jesus. Da steht:

4 LAURA ist geduldig, STEFFEN ist freundlich. LAURA kennt keinen Neid, STEFFEN spielt sich nicht auf, LAURA ist nicht eingebildet. 5 STEFFEN verhält sich nicht taktlos, LAURA sucht nicht den eigenen Vorteil, STEFFEN verliert nicht die Beherrschung, LAURA trägt keinem etwas nach. 6 STEFFEN freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut er sich mit. 7 Alles erträgt LAURA, in jeder Lage glaubt STEFFEN, immer hofft LAURA, allem hält STEFFEN stand. 8 Ihre Liebe vergeht niemals.

Das ist eine totale Überforderung! Ihr seid nicht Jesus! – Aber das kann auch eine Richtschnur sein, ein Ziel, auf das man zugeht, eine Haltung, nach der man sich sehnt, die man üben will, obwohl man sie nie ganz schaffen wird. „Gottes Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist!“ schreibt Paulus an anderer Stelle (Römer 5,5) So liebt er uns. Und mit dieser Liebe will er uns anstecken. Sie soll uns prägen. Kein Mensch ist in der Lage, so zu lieben. Gottes Geist aber will uns darin lehren, er will diese Liebe in uns stark machen.

Ich habe irgendwann einmal Kinderzitate zur Ehe aufbewahrt. Lustige Sachen dabei. Antje, 11 Jahre, wird zitiert: „Das richtige Alter, um zu heiraten, ist 23 Jahre. Weil, dann kennst du deinen Freund schon mindestens 10 Jahre!“ Carola, 10 Jahre alt, wird da zitiert: „Wen du einmal heiratest, entscheidest du nicht selbst. Das hat Gott schon lange vorher bestimmt. Und dann wirst du sehen, wen Gott dir da an den Hals gehängt hat!“

Ich glaube ja – anders als Carola, 10 Jahre alt – dass wir da ein entscheidendes Wort mitzureden haben. „Ja, ich will!“ Das ist unsere Entscheidung! Da sind wir ganz gefragt und unser Wort absolut ernst zu nehmen. Darauf kann sich der Partner verlassen. Gott hat euch beide zusammengeführt, Laura und Steffen. Das glauben wir mit euch. Und wir freuen uns mit euch. Aber jetzt – und danach auch immer wieder - zählt euer Jawort: Ja, ich will!

Amen.

 
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