Matthäus 7, 24-27 Wie man sein Lenbenshaus richtig baut.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Kassel-Möncheberg
Gottesdienst mit Verabschiedung aus dem Gemeindeunterricht
Pastor Norbert Giebel 23.06.2019

Matthäus 7, 24-27
„Wie man sein Lebenshaus richtig baut!“

Liebe GU-ler, und liebe Gemeinde,

so eine Schippe wie diese hier muss man auf jeden Fall mitnehmen. Die darf nicht fehlen, wenn man an den Strand geht. Wenn man Kinder hat. Am Strand, da kann man tolle Burgen bauen. Hier noch ein Haus, da noch einen Turm, eine feste Mauer gehört dazu. Am Ende das Ganze vielleicht noch mit schönen Muscheln verzieren.

Haben wir alle wohl schon gemacht. Eine Sandburg gebaut. Und wenn man zwei Stunden später seine Sachen packt, ist sie schon fast wieder weg. Eine Sandburg kann eben der Flut nicht standhalten. Nicht schlimm. So etwas baut man ja auch nur aus Spaß. Für den Moment  und nicht für die Ewigkeit. Jesus hat ein ganz einfaches Gleichnis erzählt, in dem es auch um das Bauen geht. Hier geht es aber um das Bauen unseres Lebenshauses.

24 »Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute. 25 Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war. 26 Wer dagegen diese meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten, der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, fiel es in sich zusammen und alles lag in Trümmern.«

Ein einfaches Gleichnis, aber eine ernste Sache. Unser Lebenshaus bauen wir ja nicht nur zum Spaß. Und es soll auch nicht nur für kurze Zeit halten. Am liebsten für die Ewigkeit. Und es soll möglichst jedem Sturm standhalten.

„Was ist unser Fundament? Worauf bauen wir?“ fragt uns Jesus. Jesus erzählt von zwei Häusern. Zwei Jesus-Häusern. Stellen wir uns mal eine ganze Neubausiedlung vor. Lauter Jesus-Häuser, christliche Lebenshäuser. Eins neben dem anderen. Lebenshäuser mit christlichem Anstrich. Nach christlicher Norm gebaut. Gleicher Grundriss, gleiche Farbe, sogar die gleichen Mülleimer. Solche Jesus-Häuser gibt es überall auf der Welt. Es gibt sogar Gegenden, da muss man richtig mutig sei, wenn man sein Haus anders bauen will. In diesen Ländern oder Orten bauen alle äußerlich nach der christlichen Norm: Sie gehen zur Kirche, beten auch mal, heiraten, werden nicht straffällig und spenden für die Gemeinde.

Jesus macht sozusagen eine Führung durch eine Siedlung von Jesus-Lebenshäusern, Dann nimmt er zwei heraus, beispielhaft, um uns an ihnen etwas zu zeigen. Äußerlich sind diese Jesus-Lebenshäuser gar nicht zu unterscheiden. Dann aber zeigt Jesus auf die Fundamente. Das eine Haus steht auf einem Felsen. Das andere ist auf Sand gebaut. Und zum Schluss lässt Jesus als Demonstration sozusagen einen riesigen Platzregen kommen. Es gießt aus Kübeln. Bald sind die Häuser vom Wasser umgeben. Das eine bleibt stehen, das andere fällt zusammen.

So viel ist klar: Wir sind die Häuslebauer in diesem Gleichnis. Jeder von uns. Unser Lebenshaus bauen wir ja nicht in einem Rutsch. Da baut man sein Leben lang dran weiter. Jesus geht es um Menschen, die ihn gehört haben. Gehört haben sie ihn alle. Das Gleichnis steht am Ende der Bergpredigt. Was Menschen darin gehört haben, sollen sie auch tun. Darum geht es.

Jakobus hat in seinem Brief geschrieben: „Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein!“ (Jak 1,22) Wer Jesus nur zuhört und toll findet aber sein Leben nicht ändert, der ist wie einer, der in den Spiegel sieht und erkennt, wie schmutzig er ist, wie zerzaust seine Haare, wie verlaufen seine Schminke, der sich dann aber einfach wieder wegdreht und alles lässt, wie es ist. (vgl. Jak 1,23)

Jesus sagt: „Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute.“ (V24) „Wer dagegen diese meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute.“ (V26)

Wie wichtig das Fundament ist, zeigt sich erst, wenn es angegriffen wird. Darum lässt Jesus es in seinem Gleichnis ordentlich regnen Ich zeige euch mal ein paar Fotos von Kassel vor wenigen Wochen: (Ein Foto wird präsentiert) Das ist die Singerstraße in Kassel-Forstfeld. Es sieht aus, als würden die Häuser an einem Fluss liegen. Familie E. wohnt hier. Und so sah ihrem Keller aus. (weiteres Bild) – Gott sei Dank waren die Häuser nicht auf Sand gebaut! Ein großes Unglück war es trotzdem. Eine richtige „Keller-Krise“! Schmutzig, mühevoll und vielleicht auch zum Heulen.

Da wohnt man nun in der Singerstraße und will das Leben genießen, und dann so was! Es gibt solche Stürme auch im Leben. Platzregen. Niemand kommt in seinem Leben drum herum. Da leben wir sozusagen „an unserer Singerstaße“, und plötzlich kommt die Flut. Der frühe Tod eines geliebten Menschen vielleicht. Eine Krankheit, die nicht einfach wieder weggeht. Der ganz normale Abbau im Alter, der Verlust von Freiheit und Beweglichkeit und Teilhabe im Alter. Einsamkeit, auch schon als junger Mensch, finanzielle Sorgen, Beziehungen geraten in Krisen oder gehen kaputt. Da wackelt das ganze Lebenshaus!

Vielleicht waren wir zu blöde es kommen zu sehen, die Krise hat sich eigentlich angekündigt, ich habe es nicht ernst genommen, ich habe auf Sand gebaut. Oder wir haben alles in die Fassade gesteckt, unser Lebenshaus immer wieder schön gestrichen. Wenn die Flut kommt, nützt aber keine Fassade mehr. Jetzt kommt es auf das Fundament an! Was hält mich?

Vermutlich denken jetzt alle: „Ist doch klar, das Fundament ist Jesus!“ Okay. Da gibt es auch eine Bibelstelle: „Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.“ (1Kor 3,11; HFA) Paulus verwendet ein anderes Bild. Paulus sagt, das Fundament ist Jesus. ER ist treu, ER ist fest, ER garantiert uns, dass wir gerettet sind. Jeder, der Jesus in seinem Leben als einem Herrn vertraut, hat ein Fundament, das ewig hält.

Aber Paulus will in seinem Bild gerade sagen, wie wichtig es jetzt ist, was wir darauf aufbauen. Unser Leben ist nicht egal. Am Ende der Zeit wird alles, was wir getan haben, sichtbar werden. Das Fundament ist gelegt, aber du kannst Stroh und Dreck, Holz, oder Gold und Edelsteine darauf aufbauen. Und was du Gutes gebaut hat, das wird ewig bleiben. Alles andere wird verbrennen.

Um das Tun, darum, wie wir leben, geht es auch Jesus in seinem Gleichnis. Da ist nicht er das Fundament, sondern das Fundament bauen wir! Je nachdem, ob wir nur hören, was er sagt und ihn toll finden oder ob wir unser Leben auf darauf einstellen. Das Fundament im Gleichnis Jesu, ist die Bergpredigt. Sie ist die Grundsatzerklärung, die Verfassung des Reiches Gottes. Nicht wer das hört, sondern wer so lebt, der ist im Reich Gottes angekommen. Wie wir mit dem der Sehnsucht und dem Willen Jesu umgehen, das ist unser Fundament. Entweder ist es Sand oder es ist ein Felsen, der uns durchs Leben trägt.

Wie lebt man denn nach der Bergpredigt? Was hat Jesus denn darin gelehrt?

  1. Wer lebt wie Jesus es will, der ist Salz und Licht in der Welt. Der sieht, wo Menschen Unrecht getan wird. Der sieht, wo Menschen in Not sind, und er tut etwas.
  2. Wer nach der Verfassung des Reiches Gottes lebt, der hat seinen Zorn im Griff. Der schimpft nicht mit anderen und sagt zu niemandem, er sei ein Idiot. „Wer seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig“ sagt Jesus ( Mat 5, 22)
  3. Es gehört zur Grundordnung des Reiches Gottes, dass man seine Sexualität der Treue, der Liebe und der Achtung des anderen Geschlechts unterstellt. Soften oder harten Porno anzusehen entspricht nicht dem Willen Gottes. „Wer eine andere Frau ansieht um sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen!“ sagt Jesus (5, 28).
  4. Wir sollen die Wahrheit sagen. (5,33 ff)
  5. Menschen, die Jesu gehören, vergelten nicht Böses mit Bösem. Sie steigen aus aus der Eskalation der Gewalt mit Worten oder mit Taten. (5,38 ff)
  6. Sie sammeln keine Schätze auf Erden. (6,19) Sie steigen aus aus diesem Wettrennen, immer mehr haben zu wollen. Sie wollen immer mehr von Jesus haben. Das ist ihr Ziel.
  7. Sie vertrauen Jesus und müssen sich nicht festhalten an dem, was sie haben. Sie tauschen ihre Sorgen gegen Vertrauen ein (6,25ff). Sie geben ab, sie spenden, sie teilen, ohne zu heucheln (6,1ff)
  8. Und sie heucheln nicht beim Beten oder beim Anbeten. (6, 5ff) Für sie ist Beten kein Ersatz für den Gehorsam.

Das ist noch gar nicht alles, was Jesus in der Bergpredigt gefordert hat. Und es gibt noch anderes, was er geboten hat. Wer so lebt, der ist im Reich Gottes angekommen. Der richtet sich nach dem Willen Jesu. Der tut, was einem Leben mit Jesus entspricht. – So viel ist gleich klar. Jesus nachzufolgen, wirklich mit ihm als dem Herrn zu leben, das kostet. Das kostet einen sehr bewussten und anderen Lebensstil, als es unserer Welt und oft auch als es unseren eigene Wünschen und Trieben entspricht. Solange wir das nicht begriffen haben, dass das Leben mit Jesus eine ernste, eine heilige, eine große Sache ist, leben wir noch nicht in seiner Herrschaft. Dann bauen wir unser Haus auf Sand! Dann setzen wir unser Leben in den Sand. – Aber wie kann man das schaffen?                           

Erste Antwort: So ein Leben können wir nur mit Gottes Hilfe führen. Da muss er uns leiten. Dazu brauchen wir seinen Heiligen Geist. Zweite Antwort: Mit Gottes Hilfe, durch seinen Geist, wird unser Leben verändert. Wir werden völlig neue Erfahrungen machen, Freiheit erleben. Dritte Antwort: Das werden wir nie schaffen. Damit werden wir nie fertig. (1) Gott wird uns helfen, (2) wir werden frei werden und (3) wir werden das nie alles schaffen. Alles drei ist richtig. (1) Jesus sagt uns, was er will. (2) Er fordert absolut, dass wir danach leben. Ohne Abstriche. (3) Und er weiß, dass wir es nicht schaffen werden.

Der absolute Höhepunkt der Bergpredigt ist der der Satz Jesu „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie eure Vater im Himmel vollkommen ist!“ (Mat 5,48) Das können wir nicht. Aber das ist der Wille Jesu. Gott macht und er mag keine halben Sachen.

Aber wenn das so ist, dann haben wir alle am Ende unser Leben in den Sand gesetzt. Dann kann keiner tun, was Jesus gesagt hat! Niemand wird vor Gott bestehen können wenn das der Maßstab ist: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie eure Vater im Himmel vollkommen ist!“ Wenn wir einmal vor Gott stehen, wer könnte dann sagen: „Ich habe es geschafft. Mit deiner Hilfe, Herr. Ich stehe vollkommen vor dir. Ich hielt meinen Zorn im Griff und meine Sexualität. Ich war nicht geizig und die Güter der Welt spielten bei mir nie eine große Rolle. Ich habe mich immer für Gerechtigkeit eingesetzt. Und ich war nie nachtragend. Ich war immer gnädig. Wie du.“

Der einzige Mensch, der das geschafft hat, ist Jesus selbst. Er war vollkommen wie der Vater im Himmel vollkommen ist. Bei ihm stimmen Wort und Tat absolut überein. Er hat seine Feinde geliebt. Er hat einen Soldaten geheilt, der ihn gerade verhaftete, den Petrus verletzt hatte. Er hat selbst am Kreuz noch gebetet für sie: „Vater, Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Die Bergpredigt ist die Verfassung des Reiches Gottes. Und sie ist für diese Welt eine Vision. Aber eine Vision, nach der die Menschen leben, die Jesus vertrauen. Jesus gibt nicht viele neue Gebote. Er setzt uns eine Sehnsucht ins Herz. Er will unsere innere Haltung verändern. Ziele geben für die wir leben. Er zeigt uns, wohin er uns entwickeln will.

Ich gehe ganz an den Anfang der Bergpredigt. Jesus beginnt aber die Bergpredigt mit den Seligpreisungen. Sie sind sein Vorwort. Sie sind die Basis. Und die erste lautet: „Selig sind die geistlich arm sind“. Da steht, die arm am Pneuma sind, die nicht voll des Geistes sind, die die Kraft Gottes vielleicht gerne mehr erleben würden in ihrem Leben. Und dann sagt Jesus: „Ihnen gehört das Himmelreich.“ (5,3) Die, die wissen, dass sie Jesus brauchen und ihm vertrauen, so schwach sie sind, denen gehört das Reich Gottes. Und dann erst sagt Jesus wie es im Reich Gottes zugeht und wie er will, dass wir darum auch leben. Ohne Abstriche

Ihr fünf, die ihr heute so traurig aus dem GU (der Gemeindeunterricht entspricht etwa dem Konfirmandenunterricht) verabschiedet werdet. Habt ihr so eine Schaufel? Oder was braucht ihr, um an eurem Leben weiter zu bauen? Was wollt ihr in jedem Fall mitnehmen? Ihr geht nicht an den Strand. Ihr geht nicht los, um eine Sandburg zu bauen, ein Leben, das nur für eine gewisse Zeit hält. Ich nenne euch fünf nur beispielhaft. Das betrifft uns alle hier im Raum. Aber ihr habe heute einen Tag, an dem man zurückblickt und nach vorne sieht.

Was soll euer Fundament sein? Ist Jesus so eine Art Kindergottesdienstlehrer für euch, von dem ihr euch irgendwann emanzipieren wollt? Oder soll er euer Herr sein? Ist der Glaube ein theoretisches Wissen, oder die Mitte, der Halt und die Richtung für eure Leben? Ich wünsche es uns allen hier im Raum, aber heute euch fünfen besonders: Vernachlässigt das Fundament nicht! Und wie geht das? Indem ihr werdet wir dieser Mann hier. Er hat einen Rhythmus von Hören und Tun gefunden(Bild von gehendem Mann plus Text). In meiner Vorstellung hört er keine Musik sondern er hört gerade wieder, was Jesus sagt. Er hört Gottes Stimme. Und seine Grundhaltung ist: (Zitat mir unbekannter Herkunft.)

Ich wäre gerne einer, der hört,                                    
und der losgeht und tut, was er hörte,
und beim Gehen ein Hörender bleibt.

Amen.

 
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