Jesaja 55, 1-5 Das Beste gibt es immer geschenkt

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Norbert Giebel, 30.06.2019

Jesaja 55, 1-5 Das Beste im Leben gibt es immer geschenkt

Ich lese einen Text des Propheten Jesaja. Geschrieben im 6. Jahrhundert vor Jesu Geburt in Babylon. Der Prophet und das Volk, an das er schreibt, leben weit weg von ihrer Heimat. Viele Jahre schon besiegt und verschleppt in die Fremde, nach Babylonien. Die Menschen haben Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Freiheit. Sie haben Sehnsucht nach Hause, Sehnsucht nach ihren Gottesdiensten in Jerusalem. Wie sollen sie hier leben? Sie haben viele Möglichkeiten in Babylon, solange sie sich an die Gesetze halten. Wie sollen sie hier leben mit ihrem Schmerz und ihrer Sehnsucht? Da steht ein Prophet auf. Jesaja redet im Auftrag Gottes. Und Gott ruft das Volk zu sich durch seinen Propheten. Ich lese eine seiner Reden aus Jesaja 55, 1-5:

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. 3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. 4 Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. 5 Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

Ich weiß nicht, wie ihr Leben oder wie dein Leben aussieht. Kennst du diese Sehnsucht nach Leben? Nach Liebe? Sicherheit? Willst du frei sein? Gehörst du auch zu den Durstigen oder bist du schon satt? Was glaubst du, wo du lebst? Im Himmel oder auf der Erde? Lebst du im gelobten Land? Alles gut? Nahe bei Gott? Geht es immer gerecht zu, da wo du lebst? Ist dein Leben durchströmt von Gnade, von innerem und äußerem Heil. Oder lebst du an den Flüssen Babylons, wo vieles ungerecht ist, wo Menschen mit Schmerzen und Wunden leben, wo Menschen besiegt worden sind, verschleppt werden, gefangen sind und ein Leben führen, wie sie es nie wollten? Hast du eher helle oder dunkle Lebensumstände?

Und wie willst du dein Leben einrichten in deiner Welt. Was ist dir wertvoll? Teuer! Wofür willst du deine Jahre investieren? Wir haben viele Freiheiten, tausend Möglichkeiten, unendlich mehr noch die Exilanten in Babel damals. Wie willst du deinen Durst stillen nach Leben, nach Liebe, Lust, Genuss. Du willst doch ein schönes Leben führen! Wer will das nicht!? Wie willst du dein Leben glücklich machen?

Gott ruft sein Volk zu sich. Damals in Babylon und heute überall in der Welt. Gott ruft laut!    Gott verkleidet sich in der Rede von Jesaja, die ich gerade gelesen habe. Er wird zu einem Marktrufer. Und er ruft laut. Gott hat Konkurrenz, und er weiß das. Die Konkurrenz schläft nicht. Sie macht Werbung für sich. Sie ruft auch laut. Das Leben ist ein Marktplatz. Und die Menschen haben Hunger. Sie haben Durst. Sie kommen voller Sehnsucht. Und wer Hunger und Durst hat, der steht in der Gefahr alles zu essen oder zu trinken, was ihm geboten wird.

Hey, ihr alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Ihr, die die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst! Kommt her und nehmt umsonst Wein und Milch! Warum legt ihr euer Geld hin für das, was kein Brot ist? Warum gebt ihr das her, was ihr sauer verdient habt, für das, was nicht statt macht? Hört auf mich! Dann werdet ihr Gutes essen und die feinsten Speisen genießen.

Umsonst! – In Lippstadt gab es für kurze Zeit einen Liter Benzin für 16,2 Cent. Bei der Preisumstellung am Computer war ein Komma verrutscht. Superbenzin für 16,2 Cent statt 1,62 Euro pro Liter. Eine Automatentankstelle! Man zahlt und keiner kontrolliert! Schnell sprach sich das Angebot herum. Es bildete sich eine Schlange von Autos. Bis der Betreiber den Fehler bemerkt und korrigierte. (SPIEGEL online April 2013)

Keine 16 Cent. Wirklich umsonst. Ohne Geld. Ohne Leistung. Nichts muss man mitbringen, um bei Gott seinen Durst zu stillen. Und bei Gott ist es kein Irrtum. Er hat da nichts zu korrigieren. Sein Angebot steht. Was Gott zu verschenken hat, ist nicht umsonst, weil es nichts wert ist. Nein. Es ist das Beste, das Fetteste, um im Leben satt zu werden. Aber er hat es bezahlt!! Darum ist es umsonst.

Wasser und Brot stehen für die Grundnahrungsmittel. Das, was wir zum Leben brauchen. Aber Gott will nicht, dass wir nur überleben, dass wir „bei Wasser und Brot leben“. Er bietet Wasser an und Milch und Wein. „Ihr sollt das Leben in der Fülle haben.“ Das ist sein Angebot.

„Kommt zu mir! Und esst!“ ruft Gott. „Seid keine Zuschauer. Greift selber zu.  Einverleibt, was ich euch schenken will. Probiert es!“ Unentschlossene, Zuschauer, gibt es auf jedem Marktplatz. Sie sehen sich die Auslagen an und staunen. Sie bummeln durch ihr Leben. Machen einen Einkaufsbummel: „Sieh mal diese Erdbeeren an. Sieh mal diesen Spargel an. Hast du die vielen Gewürze gesehen ....“ Aber sie kaufen nichts. Sie wollen sich nur alles anschauen. Solche Menschen gehen auch an Gottes Marktstand vorbei. „Seht mal, was Gott zu bieten hat!“ Aber darum geht es nicht! „Komm! Und jetzt iss auch! Greif zu. Warum willst du nur zusehen, wenn andere satt werden?“

Das Leben ist, wenn wir nicht aufpassen, wie eine Tüte Chips. Irgendwann fängt man irgendwo an zu essen und dann kann man nicht aufhören und am Ende ist die Tüte leer und man hat immer noch Hunger. Und der Durst ist noch größer geworden. Es gibt Dinge, die isst man, Handlungen, die tut man, und danach hat man noch mehr Hunger. Wenn man erst wieder anfängt ist man voll drin in der Falle. Man steht vorm Kühlschrank seines Lebens und isst und kann nicht aufhören und wird nicht satt.

Menschen versuchen viel, um ihren Lebenshunger zu stillen. Sie geben ihren sauren Verdienst hin, die besten Jahre ihres Lebens, investieren so viel, und werden nicht satt. Ich denke an Tom Sawyer aus dem Roman von Mark Twain:

Es ist heiß. Alle Kinder gehen schwimmen. Tom aber soll den langen hohen Zaun um das Grundstück seiner Oma streichen. Andere Kinder gehen vorbei. Sie haben das bessere Teil erwählt! Sie gehen schwimmen. Er muss streichen. Bis Tom auf eine geniale Idee kommt: Er tut so, als würde er die anderen bedauern. „Ihr Armen. Müsst ihr schwimmen gehen? Ich darf mich hier der Kunst widmen. Das erfüllt mich. Für nichts auf der Welt würde ich tauschen...“ Und es dauert nicht lange, da bieten ihm die Kinder ihre Murmeln, ihre Muscheln, ihr Kleingeld, ihren Apfel, alles was sie bei sich haben an, nur um den Zaun zu streichen. Am Ende des Tages hat Tom ein super gutes Geschäft gemacht! Und  viele Kinder denken, das sei ein guter Tag gewesen, sie hätten einen Zaun streichen dürfen. Sie haben nicht einmal bemerkt, wie sie betrogen wurden.

Wie viele Zäune streichen wir in unserem Leben? Wofür geben wir unsere Zeit, unser Geld, unser Herz, und am Ende sind wir die Betrogenen. Wir hätten schwimmen gehen können. Wir hätten unser Leben so anders leben können. Wo gehen wir einem Betrüger auf den Leim und investieren unser leben für einen Holzzaun?

„Hört auf mich, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids geben.“ Jesaja knüpft an eine alte Verheißung an. Im 10. Jahrhundert vor Christi Geburt hat ein anderer Prophet, Natan hieß er, David, dem König Israels, zugesagt, dass er einmal einen Nachkommen haben wird, einen Sohn Davids, der König über die ganze Welt sein wird. Und zwar für alle Ewigkeit. Ein König, der Gerechtigkeit bringt und Frieden. Ein Friedefürst.

Gott will sein Versprechen einlösen. Dieser Sohn Davids wird kommen. Das sagt Jesaja.
Und er wird den Menschen den neuen Bund bringen: „Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. Siehe, du (Israel) wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen.“ prophezeit Jesaja. – Der neue Bund ist nicht nur ein Bund mit Israel. Er wird von Israel ausgehen, aber er wird in aller Welt bekannt sein. Und viele Menschen werden kommen. Aus allen Völkern.

Jesus hat diese Worte auf sich bezogen. Bei einem Fest in Jerusalem stellte er sich hin und  rief laut: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen!“ (Joh 7, 37) Jesus ist der Sohn Davids, den Natan und andere Propheten nach ihm gesehen haben. Jesus ist der Zeuge Gottes für alle Völker, wie Jesaja ihn nennt. In ihm hat Gott sich gezeigt. Jesus steht dafür, dass Gott Wort hält. Mit Jesus schließt Gott einen neuen Bund mit der Menschheit.

Ein Bund ist ein Vertrag. Ein Versprechen. Wir kennen das Wort noch von der Hochzeit. Da schließen zwei den „Bund fürs Lebens“. Da versprechen sich zwei die Treue ihr Leben lang.
Sie sagen Ja zueinander für gute und schwere Tage. Als Zeichen steckt jeder am anderen einen Ring auf den Finger.

Das Zeichen von Gottes neuem Bundes Gottes ist die Taufe. Man kann die Taufe gut mit einer Hochzeit vergleichen. Da hat einer, Gott nämlich, Gott hat erfolgreich um den anderen geworben. Da binden sich zwei Personen fest aneinander. Man kennt den anderen. Man weiß, was man tut, wenn man Ja sagt. Man bindet sich an den anderen. Eine Kennenlernphase, eine Verlobungsphase ging voraus. Man weiß um die Liebe des anderen. Hochzeit und Taufe sind das Siegel, die verbindliche Zusage, das öffentliche Bekenntnis beider zu ihrer Liebe und zu ihrer Treue.

Einen Unterschied zur Hochzeit aber gibt es noch. Bei einer Hochzeit sind es zwei gleichgestellte Personen, die sich die Treue versprechen. Das Wort für Bund in der Bibel hat eine andere Bedeutung. In der Bibel meint Bund immer, dass einer, der mächtig und reich ist, einem anderen damit das Leben ermöglicht, ihm Lebensraum schenkt. Ein König z.B., der Menschen erlaubt, in seinem Reich zu leben, seine Länder zu bebauen und davon zu leben. Der König verspricht, seine Leute zu schützen. Im Gegenzug müssen sich die Beschenkten an Bundesregeln halten, die der König vorgibt.

Der Bund mit Gott ist kein Bund zwischen gleichberechtigten Partnern, auf Augenhöhe, wie die Ehe. Wir machen kein Deal mit Gott, bei dem beide gewinnen. Er schenkt uns das Leben. Er bezahlt alles und wir sollen zugreifen, essen und trinken von dem Tisch, den er gedeckt hat. Das Wichtigste und Größte im Leben bekommt man immer nur geschenkt.

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser. Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst!“ Jesaja hat das gesagt. Jesus hat das aufgegriffen. Und die Christen heute, die Gemeinde Jesu heute, sagt es heute.

Gott stellt uns einen Antrag. Er umwirbt uns, weil er uns beschenken will, weil er uns retten will. Er lädt uns zu einem neuen Bund ein. Sein Geist und seine Gemeinde geben die Einladung weiter. Johannes vergleicht die Gemeinde mit der Braut Christi. Jesus hat sie umworben. Jesus hat sie gewonnen. Und sie hat ja gesagt! Die Gemeinde ist die Braut Christi.

Auf der letzten Seite der Bibel lesen wir noch einmal den Ruf Gottes und seinen Auftrag an uns Christen heute:

„Denn der Geist und die Braut, sie rufen: „Komm!“
Und wer es hört, der spreche: „Komm!“
Und wen da dürstet, der komme;
und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst!“
(Offenbarung 22,17)

Amen.

 
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