Apg 16, 6-15 Gott führt Menschen an seinen Platz

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Norbert Giebel 07.07.2019

Apostelgeschichte 16, 6-15  
Gott führt Menschen an ihren Platz

6 Danach zogen sie weiter durch Phrygien und die Landschaft Galatien; denn der Heilige Geist erlaubte ihnen nicht, in der Provinz Asien die Botschaft Gottes zu verkünden. 7 Als sie, westwärts ziehend, an die Grenze von Mysien kamen, wollten sie von dort in das nördlich gelegene Bithynien weiterziehen. Aber auch das ließ der Geist, durch den Jesus sie leitete, nicht zu. 8 So zogen sie an Mysien vorbei und gingen ans Meer hinunter nach Troas.
9 Dort in Troas hatte Paulus in der Nacht eine Vision: Er sah einen Mann aus Mazedonien vor sich stehen, der bat ihn: »Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!« 10 Darauf suchten wir sofort nach einem Schiff, das uns nach Mazedonien mitnehmen konnte. Denn wir waren sicher, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort die Gute Nachricht zu bringen. 11 Wir fuhren von Troas auf dem kürzesten Weg zur Insel Samothrake und am zweiten Tag erreichten wir Neapolis. 12 Von dort gingen wir landeinwärts nach Philippi, einer Stadt im ersten Bezirk Mazedoniens, einer Ansiedlung von römischen Bürgern. Wir hielten uns einige Tage dort auf 13 und warteten auf den Sabbat.
Am Sabbat gingen wir vor das Tor an den Fluss. Wir vermuteten dort eine jüdische Gebetsstätte und fanden sie auch. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die zusammengekommen waren. 14 Auch eine Frau namens Lydia war darunter; sie stammte aus Thyatira und handelte mit Purpurstoffen. Sie hielt sich zur jüdischen Gemeinde. Der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie begierig aufnahm, was Paulus sagte. 15 Sie ließ sich mit ihrer ganzen Hausgemeinschaft, ihren Angehörigen und Dienstleuten, taufen. Darauf lud sie uns ein und sagte: »Wenn ihr überzeugt seid, dass ich treu zum Herrn stehe, dann kommt in mein Haus und nehmt dort Quartier!« Sie drängte uns, die Einladung anzunehmen.

Weißt du, wo Gott dich haben will? Kennst du den Platz, an dem er dich gebrauchen will?
Tust du gerade das Richtige, oder ist etwas Neues dran? Paulus und seine Leute jedenfalls wussten es nicht mehr. Es hatte so gut begonnen. Sie waren auf der sogenannten zweiten Missionsreise. Auf der ersten Reise hatte Paulus in der heutigen Türkei viele Gemeinden gegründet. 15 Jahre dauerte sie! Jetzt waren sie in ihrem zweiten Auslandsaufenthalt. Acht Jahre wird er dauern. Und es hatte so gut begonnen. Die jungen Gemeinden sollten gefördert werden, neue gegründet. Paulus, Silas, Timotheus und Lukas waren gemeinsam unterwegs.

In Syrien sind sie gestartet, in Ephesus an der Westküste der heutigen Türkei wollten sie herauskommen. Alles war gut geplant. Und dann, plötzlich, bekommen die Missionare Predigtverbot! Nicht von der Polizei, nicht von irgendeiner Religionsbehörde. Der Heilige Geist verwehrte es ihnen, das Evangelium in der Provinz Asien zu predigen. Predigtverbot von oberster Stelle! Das ist nicht euer Platz. Das ist nicht mehr eure Aufgabe. Euer Plan ist nicht mehr mein Plan. Ihr tut das Richtige, aber ihr tut es am falschen Ort. „In Asien seid ihr stille! Das ist Gottes Wille!“

Der Heilige Geist hat ihnen das nicht von Anfang an so klar gesagt. Das musste sie erst verstehen. Das mussten sie erkennen. Durch Enttäuschungen. Durch verschlossene Türen. Lukas beschreibt ihre Reiseroute. Wenn man sich das auf der Karte ansieht, ist das ein totaler Schlingerkurs. Zuerst wollten sie in den Westen, klappt nicht. Dann ziehen sie wochenlang in den Norden. In Byzanz am Bosporus wollen sie Menschen von Jesus erzählen. Ein großes Ziel, das macht Sinn. Aber es klappt nicht.

In Mysien, schreibt Lukas, ließ es ihnen der Heilige Geist nicht zu, dass sie weiterreisten. Sie versuchten nach Bithynien zu reisen, aber auch das ließ der Heilige Geist ihnen nicht zu. Was muss das frustrierend gewesen sein. Die vier Männer haben ihre Heimat verlassen, haben viele Opfer gebracht, haben sicher gebetet, gefragt, geplant, sind neu aufgebrochen, und immer landen sie in einer Sackgasse. Als hätte Gott in ihrem Leben für ihren Dienst einen Irrgarten aufgebaut. Keine Ahnung. Vielleicht ist jemand von ihnen krank geworden, Unwetter haben sie aufgehalten, oder eine römische Straßensperre, vielleicht wollte sie einfach keiner hören oder der Heilige Geist hat direkt zu ihnen gesprochen.

In Troas jedenfalls sind sie angekommen an einem Ort, an den sie nie wollten. Am Ende der Welt.  In Troas siehst du kein Land mehr. Nur noch Meer. Dahinter gibt es nur noch Heidenland. Dahinter fängt Europa an. No-Go-Area. Andere Kultur, andere Gefahren, andere Geschichte. Das „Missionswerk Paulus und Team“ ist an einem Nullpunkt angekommen.

Da hat Paulus einen Traum. Ein Grieche, einer aus dem Süden Griechenlands, ein Mazedonier ruft Paulus um Hilfe: „Komm herüber und hilf uns!“ Paulus erzählt es am Morgen den anderen dreien und sie sind mit ihm überzeugt: Jetzt hat Gott ihnen ihren neuen Platz gezeigt. Das ist Gottes Marschbefehl. Und sofort brechen sie auf. Unverzüglich. Packen ihre Sachen, gehen zum Hafen, besteigen ein Bot, und schnurstracks, auf dem kürzesten Weg, ohne Probleme sind sie drüben, in Europa. Alles geht wieder wie am Schnürchen.

Paulus kommt aus Kleinasien, aus der Türkei. Das wäre einfacher gewesen. Da kennt er sich aus. Da ist er schon einmal viele Jahre unterwegs gewesen. Dass fühlte sich gut an. Gott zeigt ihm ein neues Ziel. Jedes neue Ziel, jede neue Platzanweisung verunsichert zuerst einmal.     Aber sofort bricht er auf. Wenn es Gott ist, der ihn schickt, dann wird sich alles andere klären. Gott kann Türen schließen und Gott kann Türen öffnen. Das ist sicher ein Weg, auf dem er auch uns führen kann.

Aber so viel ist klar: Es gibt keine Mission ohne Menschen, die sich führen lassen. Es gibt keine Mission ohne Menschen, die auch bei Misserfolgen nicht hinschmeißen. Paulus, Lukas, Silas, Timotheus, sie hören nicht auf zu beten, zu suchen, immer wieder loszugehen, bis sie ihren Platz von Gott gefunden haben.

Paulus hatte eine erkennbare Arbeitsweise für seine Mission. Er reist immer im Team. Nie alleine. Er fängt in den Städten an. Er geht immer zuerst zu den Juden. Und er gründet immer Gemeinden. So will er jetzt auch in Griechenland arbeiten. Gemeinden gründen! Gott will seine Leute miteinander verbinden. Ein Christ allein geht ein. Der Glaube wird kraftlos, gestaltlos. Theoretisch.

Die Vier kommen nach Philippi. Eine römische Garnisonsstadt. Soldaten und viele Veteranen prägen das Stadtbild. Eine Synagoge finden sie nicht. Sie warten bis zum Sabbat. Normalerweise versammeln sich Juden dann an einem Fluss, außerhalb der Stadt, wenn sie kein Versammlungshaus haben. Am Sabbat treffen sie einige Frauen, die sich dort zum Beten versammelt haben. Ein Damenkränzchen. Eine Frauenstunde. Für einen jüdischen Gottesdienst musste es mindestens 10 Männer geben. Offensichtlich fehlte es an ihnen in Philippi.

Monate Fußmarsch, tausende Kilometer für ein paar Frauen? Denken wir vielleicht. Im Bericht des Lukas lesen wir nichts von einer Enttäuschung. Sie fingen bei dem an, was sie vorfanden. Sie setzten sich zu den Frauen und fingen an mit ihnen zu reden. Jesus hätte es genauso getan. Er hat die Frauen hoch geschätzt.

Eine Frau hörte besonders zu. Sie war hungrig nach dem, was sie hörte. Lydia war eine reiche Frau. Purpurhändlerin. Sie handelte mit den edelsten Stoffen. Erfolgreiche Geschäftsfrau, aus Thyatira zugezogen. Das ist die Gegend, wo das Paulus eigentlich predigen wollte. Jetzt fanden sie hier eine Frau aus Thyatira. Lydia war reich geworden mit ihrem Modehaus. Eine Edelboutique. Die meisten Kunden waren Römer. Purpur ist nichts für arme Leute, nichts für das Normalvolk.

Und Lydia war eine so Gottesfürchtige. So nannte man Menschen, die sich zu den Synagogen hielten, die mit den Juden zusammen beteten und ihren Glauben teilten, aber keine Juden werden wollten. Männer hätten sich beschneiden lassen müssen. Kann man verstehen, wenn sie da lieber Gottesfürchtige blieben. Der tiefere Grund aber war wohl, dass die Gottesfürchtigen nicht das ganze Gesetz halten mussten. Frauen hätten sich nur taufen lassen brauchen. Proselytentaufe nannte man das. Aber auch sie hätte dann das ganze Gesetz mit den tausend Einzelregeln halten müssen. Außerdem würde sie immer eine Gläubige zweiter Klasse bleiben, nie eine richtige gebürtige Jüdin.

Lydia war eine, die schon gefunden hat, aber die weiter suchte. Jetzt hört sie Paulus. Und der Herr tut ihr das Herz auf schreibt Lukas. Diese drei braucht es immer, wenn Menschen zum Glauben kommen: Einer der von Jesus erzählt, der seinen Glauben bekennt, der sagt, was ihm Jesus bedeutet, der zum Glauben einlädt. – Von der Liebe und Gnade Gottes zu hören, von Jesus zu hören, das ist ein Menschenrecht. Wer Jesus für sich behält, der verletzt ein Menschenrecht! „Wer mich nicht bekennt vor den Menschen, den werde auch ich nicht bekennen vor meinem himmlischen Vater“ hat Jesus gesagt. (Matth 10,32)

(1) Okay: Wenn jemand den Glauben finden soll, braucht es immer jemand, der redet.

(2) Und es braucht jemand, der bereit ist, hinzuhören. Prüfend zu hören. Den Verstand nicht auszuschalten. Aber der bereit ist, Neues zu hören, sich selber befragen zu lassen.

(3) Und Gott muss das Herz auftun. Das kann nur er. Wenn Gott das Herz öffnet, dann wissen Menschen, dass Gott sie angesprochen hat, dass sie gerade vor ihm stehen. Dann erkennen sie, was Jesus für sie getan hat. Darum bringt es gar nichts, Mission mit Druck in welcher Form auch immer zu verbinden. Gott muss das Herz auftun. Wenn das Herz nicht offen ist, bleibt alles nur Form. Äußerlich. Nachgemacht.

Bete darum, dass Gott dein Herz auftut, wenn der Glaube bei dir nur äußerlich ist, dich nicht bewegt, du nichts fühlst dabei. Wenn er dich nicht antreibt. Das Herz ist deine Mitte. Bete darum, dass Gott dein Herz auftut! „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, verstockt eure Herzen nicht!“ (Hebr 3, 15) Wer Gott mit dem Herzen hört, der wird klare Schritte im Glauben tun. Der kann sich entscheiden.

Gott hat Lydia das Herz aufgetan. Lydia findet zum Glauben an Jesus Christus. Und sofort lässt sie sich taufen. Das ist der Ort der Taufe: Menschen kommen zum Glauben und bekommen das Zeichen des neuen Bundes mit Gott. Die Taufe ist der Ehering, den Gott uns aufsteckt. Lydia und die Frauen aus ihrem Haus werden getauft. Waren sie alle dabei? Hat Lydia sie noch holen lassen? Das bleibt offen. Aber du kannst heute auch zu ihrem Haus gehören und dich taufen lassen. Was hindert dich? Warum zögerst du? Mal ehrlich. Okay: Wir haben heute kein Wasser eingelassen. Aber wir werden einen Termin finden, wenn Gott dein Herz dafür geöffnet hat.

Manche Christen sind wie Männer, die ihre Frauen nicht heiraten, oder wie Frauen, die ihre Männer nicht heiraten wollen. Irgendwie ist alles klar, aber diesen Schritt vor Gott zögern sie hinaus. Jahr für Jahr. Länger und Länger. Und je länger sie warten, desto fremder fühlt es sich an, jetzt noch zu heiraten. Und am Ende sind sie alt und knitterig. – Jetzt brauchen sie den Ehering, den Treuschwur Gottes, die öffentliche Zusage, Gottes Kind zu sein, auch nicht mehr.

Die Taufe ist ein Geschenk Gottes an alle, denen er das Herz aufgetan hat. Warum schätzen manche sein Geschenk so niedrig ein, dass sie es nicht öffnen? Lydia lässt sich taufen. Und sofort ist es für sie klar. Jetzt gehört sie ganz dazu. Keine Gläubige zweite Klasse mehr. „Der Herr tat mein Herz auf und ich mache mein Haus auf.“ „In Christus ist weder Mann noch Frau, weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier!“ hatte Paulus gesagt (Gal 3,28) Lydia verlangt ein Zeichen, dass sie ganz dazu gehört. „Wenn ihr überzeugt seid, dass ich jetzt mit Jesus und dadurch mit euch verbunden bin, dass ich ganz zum Volk Gottes gehöre so wie ihr, dann kommt und lasst euch in mein Haus einladen.“

Die vier Missionare sind nicht gleich begeistert. In der Theorie war Lydia jetzt eine von ihnen. Noch beim Apostelkonzil vor vielleicht einem Jahr hatte Paulus für die Gleichberechtigung der Heiden und der Juden, die an Jesus gläubig wurden gestritten. Theoretisch war alles klar. Aber sie war eine Heidin, keine Jüdin von Geburt, sie war eine Frau, eine bekannte Frau, sie machte Geschäfte mit den Römern. – Was senden wir für Signale aus, wenn es sich herumspricht: „Gewohnt haben sie in Philippi bei der Lydia aus Thyatira!“? – Genau das Signal will Lydia haben. Ich gehöre ganz zu euch. Ihr seid nicht nur fromm im Gottesdienst oder als ihr mich getauft habt. Bei mir wohnen, privat mit mir zu tun haben, das wollt ihr aber nicht. Das hätte allem widersprochen, was sie vom Evangelium verstanden hat. Und sie drängte die Männer, schreibt Lukas.

Wie ist das bei uns? Sind wir bereit zu privaten Kontakten zu denen, die bei uns getauft werden? Laden wir sie ein? Haben wir Interesse an ihnen? Oder sagen wir ihnen „Jetzt gehörst du zu uns!“Und damit hat’s sich?

In Philippi wird das erste Modehaus am Platz das erste Gemeindehaus in Europa. Im neuen Bund Gottes werden Frauen im Vergleich zum alten Bund sehr aufgewertet. Die ersten Menschen, die Gott anspricht und die prophetisch erkennen und besingen, dass der Messias geboren wird, sind Frauen: Maria und Elisabeth (Luk 1, 26ff; 39ff) Der erste Mensch außerhalb Israels in Samaria, der zum Glauben kommt, ist eine Frau in Sychar (Joh 4) Die Ersten, die den Auferstandenen sehen, sind Frauen (Luk 24) Der erste Christ und Nachfolger Jesu in Europa ist eine Frau.

(Die JaM hat sich super weite entwickelt unter der Leitung von K. P., die wir heute im Gottesdienst verabschieden. Und mal sehen, was jetzt in England passiert, wenn K.P. dorthin kommt. Frauen, die „im Auftrag des Herrn unterwegs sind“, sollte man nie unterschätzen!)

Hat Gott dir heute das Herz aufgetan? Hast du an einer Stelle gespürt, dass du vor ihm stehst, dass er dich angesprochen hat?

  • Hast du den Eindruck, dass du nicht am richtigen Platz bist? Hat Gott dir Türen verschlossen?

  • Will Gott dir eine Tür öffnen? Willst du ihn um seine Platzanweisung bitten?

  • Oder hat er dir schon einen Weg gezeigt, den du jetzt auch gehen willst?

  • Willst du dich taufen lassen?

  • Willst du stärker, ganz neu und von Herzen ein Mensch sein, der anderen von seinem Glauben erzählt? Der bekennt, wer sein Herr und seine Hoffnung ist?

  • Willst du das Menschenrecht, von Jesus zu hören, neu beachten?

  • Willst du dein Haus auftun, Menschen einladen, die sich freuen?

  • Willst du neu zu privaten Kontakten bereit sein?


Wir nennen die Bibel darum Gottes Wort, weil sein Geist heute noch durch diese Worte spricht. Heute, wenn ihr seine Stimme gehört habt, verstockt eure Herzen nicht.

Amen.

 
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