Gott tröstet wie eine Mutter tröstet!
Textlesung Jesaja 66
10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. (Luther 2017)
Liebe Gemeinde,
das Volk braucht Trost. 70 Jahre war Israel gefangen, verschleppt nach Babylon, jetzt ist es vorbei, jetzt dürfen sie nach Hause, endlich der Tag, nach dem sie sich gesehnt haben. Aber was kommt da auf sie zu? Was werden sie vorfinden? Wie wird ihre Zukunft aussehen? Nicht wenige haben Angst. Von früher lebt fast keiner mehr. Sie alle waren noch nie in dem Land, in das sie jetzt kommen werden. Sie sind frei aber sie haben eine ungewisse Zukunft vor sich. Die Stadtmauer ist geschleift. Viele Häuser zerstört. Ins gemachte Nest kommen sie nicht. Der Wiederaufbau wird viel Kraft brauchen.
Und Gott sagt es seinem Volk schon heute: Freut euch mit Jerusalem, denn ihr werdet wenn ihr wieder Zuhause seid Grund zum Freuen haben. Freut euch jetzt schon! Es gibt ein Leben nach der Gefangenschaft, nach dem Leid und nach der Heimkehr! Ein gutes Leben. Ein richtig gutes Leben.
Zuerst vergleicht Gott Jerusalem mit einer Mutter: Ihr werdet an ihren Brüsten saugen und werdet satt werden. Ihr werdet sein wie Kinder, die in den Arm genommen werden, gedrückt von der Mutter, ihr werdet auf ihren Knien geschaukelt und ihr werdet lachen. Kinder auf den Knien geschaukelt, die fröhlich lachen, da denke ich an das Kinderlied „Hoppe hoppe reiter!“ So fröhlich wird es sein. Dafür steht Gott! Denn am Ende redet er von sich selbst: „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet!“
Wie tröstet eine Mutter? Mütter sind verschieden. Nicht jede tröstet auf die gleiche Weise. Väter können auch wie eine Mutter trösten in dem Sinn, wie es hier gemeint ist. Kinder sind auch verschieden. Nicht jedes Kind braucht die gleiche Zuwendung. Aber Kinder sind das beste Beispiel für Menschen, die Trost brauchen: Kinder fallen öfter. Sie können vieles noch nicht einschätzen. Sie haben Angst vor Dingen, die sie nicht fürchten brauchen, und sie haben keine Angst vor Dingen, die gefährlich sind. Kinder haben noch keinen Weitblick und keine Geduld. Sie weinen herzzerreißend, sie schreien, wenn sie nicht gleich bekommen, was sie brauchen. Sie schreien nach ihrem Schnuller, als würde ihr Leben davon abhängen. Sie können es sich nicht vorstellen, nur einen Moment ohne Schnuller auszukommen.
Kinder sind das beste Beispiel für Menschen, die Trost brauchen. Und Mütter sind das beste Beispiel für Menschen, die trösten. Mütter lieben ihre Kinder über alles. Sie haben sie schon getragen, bevor sie zur Welt kamen. Sie haben sie geboren, gestillt, gewickelt und haben sie vom ersten Tag an getröstet. Mütter wissen, wie hilflos ihre Kinder sein können. Sie verurteilen sie nicht dafür. Sie sind barmherzig. Sie verstehen ihre Kinder nicht immer, aber sie lieben sie immer und sie trösten sie sofort, wenn sie Trost brauchen. Ihre Kinder sind ein Stück von ihnen selbst.
Gott will seine Menschen trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Er hat uns schon geliebt, bevor wir geboren wurden. Er hat uns gewollt, er hat mit uns gelitten, als wir verletzt wurden, Angst hatten, als immer wieder gefallen sind. Er weiß, wie stur und selbstsüchtig wir sein können. Er erschrickt nicht, er kennt uns ja. Uns fehlen der Weitblick und die Geduld. Wir sind immer noch Anfänger ich Sachen Glauben, Anfänger im Vertrauen. Er aber ist sofort da. Wie eine Mutter ihr Kind nicht vergessen oder abweisen würde, so wird Gott uns nie vergessen!
Eine Mutter leidet mit, wenn ihr Kind leidet. Gott leidet mit, wo wir leiden. Er ist bei uns in unserem Schmerz. Eine Mutter sieht weiter. Sie sieht, dass die Krankheit vergehen wird. Gott sieht weiter. Er sieht, die Heilung, die kommen wird. Er sieht schon das gute Ende. Nach dem Schmerz. Eine Mutter packt an. Sie hilft. Sie tut etwas. Eine Mutter, die nur mit jammert, ist keine Hilfe! Sie weiß, was hilft. Gott weiß, was für uns gut ist und er tut es. Mütter lieben nicht nur weich und zärtlich. Mütter können stark sein, bärenstark. Sie riskieren notfalls ihr Leben für ihr Kind. Eine Katze mit Jungen kann einen Schäferhund in die Flucht jagen, wenn er ihren Jungen zu nahe kommt. Mütter kämpfen mit Erfolg bis aufs Blut um ihre Kinder.
Es ist so großes Geschenk, dass wir Vater zu Gott sagen dürfen und seine Kinder sind. Bei der Vorstellung eines Vaters aber denkt man früher ganz bestimmt eher an den, der bestimmt, der stark ist, der sagt, was richtig ist, den man zu ehren hat, der einen Plan und einen Willen hat. Das ist Gott auch! Bei einer Mutter denkt man eher an Geborgenheit, Wärme, absolute Annahme, Zärtlichkeit. Das ist Gott auch! Der heilige Gott liebt uns, wie eine Mutter liebt: Absolut bedingungslos. Mit voller Hingabe. Zärtlich. Er umarmt uns. Er schaukelt uns auf seinen Knien.
In seinen Abschiedsreden hat Jesus gesagt, dass er und der Vater den heiligen Geist schicken werden, zu jedem, der mit Jesus lebt. Und Jesus hat den Heiligen Geist den Tröster genannt, den er schicken wird. So hat Martin Luther es übersetzt. Das Wort dahinter, das griechische Wort heißt wörtlich der Herbeigerufene, der Beistand. Das Wort kann Ermahner, Ermutiger, Begleiter oder Tröster übersetzt werden. Trösten bedeutet nicht nur, in den Arm nehmen. Trösten kann sein, das eine Kind stark machen, es zum richtigen Tun ermutigen, es erinnern daran, was wirklich wichtig ist.
Der Heilige Geist ist unser Tröster. In ihm tröstet uns der Vater wie eine Mutter tröstet.
Tatsächlich ist das hebräische Wort für Geist, Ruach, weiblich. Der Heilige Geist tröstet uns, indem er uns mit Jesus verbindet. In Jesus erkennen wir Gott. Da wächst neues Vertrauen.
Da finden wir Frieden.
Wir sind noch nicht zuhause. Noch hält uns der Coronavirus in Atem. Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt. Wie lange werden Schulen geschossen haben? Wie lange wird es keine Gottesdienste geben? Können wir uns am 27. April hier wiedersehen?
Wir haben Angst vor Dingen, die wir nicht fürchten bräuchten. Und wir fürchten manches nicht, was wir fürchten sollten. Und wir können es nicht unterscheiden. Wir brauchen Gott, der uns wie eine Mutter tröstet. Und genau das hat er uns zugesagt. „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost. Ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16, 33) Im Dunkeln, wenn man selber nicht sehen kann, kann man Angst haben. Wir aber haben einen Vater bei uns, der uns führt, und der uns tröstet wir eine Mutter tröstet. Amen
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